«Expedition» nach Brands Hatch zur Veranstaltung « Brands Britannia» des CSCC
Bericht von René Grüter mit Hilfe von Sarah Weidenbach und Roland Blum
25. Mai 2026
Dieser Bericht beginnt für einmal nicht mit dem Qualy sondern mit der Anreise zur Veranstaltung. Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht alle die gleich langen Anfahrtswege haben für den Trip nach England.
Das hier ist beschrieben aus der Sicht eines Teilnehmers aus der Schweiz. Die rund 850km bis Calais sind schon eine Herausforderung. Die Autobahnen in Frankreich sind fast ohne Baustellen, wenig Verkehr, dafür etwas kostspielig. Rund 200€ sind angesichts der Gesamtkosten des Unternehmens aber fast zu vernachlässigen.
Die Fahrt verlief ohne Probleme, der Campingplatz in der Nähe von Reims war schön und mit genügend Platz so dass die Gespanne am Stück Platz hatten.
Da der Schreibende schon länger keinen Fährhafen mehr angesteuert hatte war fast ein bisschen Orientierungslosigkeit vorhanden. Da die Fähre um 12.20 nicht voll wurde konnten jene Autos, die schon für den nächsten Termin da waren, kurzerhand auch noch einfahren. Somit waren wir gut 2 Stunden früher in UK. Von UK Customs hatten wir viel gehört, nicht nur Gutes. Jedenfalls durchfuhren wir alle Kontrollen problemlos und konnten den Campingplatz ansteuern den unsere bereits anwesenden Schweizer Rennkollegen reserviert hatten.
Am Samstag gegen Mittag nahmen wir dann die paar Meilen zur Rennstrecke unter die Räder. Wir sollten dann ins Paddock einfahren dürfen.
Die HTGT führte es in ihrem 2. Saisonrennwochenende auf die Insel nach Brands Hatch. Eine Rennstrecke die wie der Deutsche Nürburgring ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Sie wurde bereits ein Jahr von dem Ring im Jahre 1926 eröffnet und hat seither vielen Generationen Freude geschenkt.
Die Einfahrt durch das Haupttor dieser traditionsreichen Rennstrecke ist für uns fast ein bisschen besonders.
Wir folgen den Anweisungen für das Lower Paddock. Durch eine Testveranstaltung sind unsere Plätze teilweise noch bis ca. 16.00 Uhr belegt. Einige unserer Fahrer nutzen die Möglichkeit des Testens auf einer völlig neuen Strecke
Die erste Meldung die die Fahrer am Pfingstsamstag erreichte war, dass dies das heißeste Maiwochenende in GB ist seit den Wetteraufzeichnungen. Und so kam es dann auch. Bei Temperaturen weit über 30°C wurde den Zuschauern spannende Kämpfe auf dem 2 km langen Indykurs von Brands Hatch geboten. Jedenfalls musste sich niemand Gedanken über Regenreifen oder dergleichen machen.
Gegen 18.00 Uhr hatten dann alle 17 Teams der Continental HTGT ihren Platz gefunden und sich eingerichtet. Die Vorbereitung der Renner für das Qualy am Sonntagvormittag beschränkten sich bei den meisten auf die Kontrolle der Niveaus und des Reifendruckes.
Das obligate Briefing machte uns mit den Besonderheiten der Strecke vertraut. Auf die Einhaltung der Tracklimits wird besonders geachtet, Sensoren an der Aussenseite der Kirbs zeichnen alle Verstösse auf und werden entsprechend geahndet.
Für viele Fahrer war dies der erste Besuch in Brands Hatch und somit auch zunächst eine Herausforderung sich an die Besonderheiten dieser kurzen Strecke zu gewöhnen, die einem Rennfahrer schon unter normalen Wetterbedingungen keine Ruhepausen gönnt und durch die Temperaturen eine besondere Herausforderung darstellte. So waren sich alle sehr schnell einig, dass die Fahrdauer eines Rennlaufs von 25 Minuten absolut ausreichend sind um an seine körperlichen Grenzen zu kommen.
Und dennoch versuchte jeder die magische Rundenzeit von 60 Sekunden zu knacken. Die Freude war um so größer bei denen, denen es gelang.
Im Qualifying zeigte sich jedenfalls dass die Fahrer der Continental HTGT die Strecke ordentlich im Griff hatten. Unser Youngster Laurence Nesbach konnte hinter einem Lotus Elan die 2. schnellste Zeit im Feld realisieren. Die Testfahrten vom Samstag haben sich somit gelohnt. Robin Rozema kam ihm am nächsten, noch vor Marcel Kutak, Marcus Weidenbach und René Grüter.
Das Qualifying überstanden alle 29 Autos die gestartet waren.
Result Qualifikation:
Div.1:
- Laurence Nesbach, Morgan +8
- Robin Rozema, MG A
- Marcus Weidenbach, Triumph TR6
Div.2:
- Marcel Kutak, Lotus Elan
- Franz Durrer, Austin Cooper S
- Detlef Walter, Marcos 1800s
Rennen 1 Sonntagnachmittag:
Das Rennen wurde unter tatsächlich heissen Bedingungen gestartet. Laurence konnte seine Spitzenposition in unserer Gruppe souverän verteidigen. Einigen Rennern der CSCC musste er aber den Vortritt lassen, aber insgesamt eine reife Leistung. Marcel Kutak im Lotus konnte sich nach anfänglichem Geplänkel mit den MG’s von René Grüter und Robin Rozema ein bisschen absetzen während die beiden andern sich teilweise mit rauchenden Reifen bekämpften. Das Duell ging am Schluss zu Gunsten von René aus, weil der MG A von Robin wegen einer defekten Wasserpumpe zu heiss wurde. Marcus Weidenbach steuerte seinen schönen TR 6 auf den 2. Platz in der grossen Klasse während sich Jon Wolfe den 3. Platz sicherte. In der kleinen Klasse konnte sich Richard King im MG B den 2.Platz vor Michael Heusel sichern.
Die Division 1 sicherte sich, wie schon erwähnt Marcel Kutak vor dem spektakulär gefahrenen Mini von Franz Durrer und dem erstaunlichen Marcos 1800 von Detlef Walter. Erstaunlich deshalb, weil Detlef das Auto mit Dunlopreifen zu ersten Mal wirklich rennmässig bewegt.
Leider waren auch zahlreiche Ausfälle zu verzeichnen. Wie schon erwähnt Robin Rozema mit Hitzeproblemen, Jan Bakker mit einer gebrochenen Kipphebelwelle, Kees Rozema mit Motorproblemen und Albert van der Wal mit einem unwilligen Motor in seinem FIA MGB. Es wurde eifrig geschraubt damit möglichst alle am Montag wieder am Start stehen können.
Der Abend gehörte dann aber dem gesellschaftlichen Austausch. An einem sicher 15 Meter langen Tisch trafen sich alle zum gemeinschaftlichen Essen und Trinken. Bei einigen waren die Gedanken wohl auch schon beim Rennen am nächsten heissen Morgen.
Resultat Rennen 1:
Div.1:
- Laurence Nesbach, Morgan +8
- René Grüter, MG B
- Marcus Weidenbach, Triumph TR6
Div.2:
- Marcel Kutak, Lotus Elan
- Franz Durrer, Austin Cooper S
- Detlef Walter, Marcos 1800s
Rennen 2 Montagvormittag:
In der Startaufstellung zum 2. Rennen waren wir in den vorderen Positionen durch den gelben Morgan von Laurence in der 2 Reihe und weiteren Autos in den Reihen 3 bis 6 gut vertreten. Die Teilnehmer der Continental HTGT Challenge wussten sich gut in Szene zu setzen.
Anders als in Spa darf hier bei GRÜN sofort überholt werden. Demensprechend ist das Gerangel vor der ersten Kurve, Paddock Hill Bend, recht gross. Wenn man zu schnell ist und den Einlenkpunkt verpasst landet man im Kies. Alle schafften aber diese erste Klippe und schossen gegen Druids Bend, eine Haarnadel um einen Baum herum um dann recht steil bergab die Graham Hill Bend anzubremsen. Das Feld hat sich schon ein bisschen auseinandergezogen und die Hektik ist schon bald verflogen. Laurence mit Morgan konnte die Spitze in unserer Wertung bis zum Schluss behaupten. Marcel und René duellierten sich um den 2. Platz. Das bessere Ende hatte am Schluss René für sich, weil sich Marcel ausgangs Druids Bend einen Dreher leistete, der aber ausser einem Zeitverlust keine weiteren Folgen hatte. Beeindruckend war das Duell zwischen Vater und Sohn der Familie Rozema. Beide waren im 1. Rennlauf ausgefallen und daher von hinten gestartet. Wie man es von ihnen gewohnt war, battelten sie sich trotz familiärer Verbundenheit unerbittlich miteinander. Sie arbeiteten sich trotzdem Platz für Platz nach vorne. Jedoch Kees Motor wollte bei den Temperaturen nicht mehr so recht. Die Vernunft siegte und Kees beendete das Rennen vorzeitig um einen größeren Schaden vom Motor abzuwenden. In der grossen Klasse musste Marcus Weidenbch leider aufgeben, weil sein TR6 in der Senke nach der Startkurve vorne aufsetzte und somit drohte die Ölwanne zu zerstören. Das war sicher eine weise Entscheidung. Den 2. Platz in dieser Klasse sicherte sich somit Jon Wolfe mit dem MGB V8. Die Division 2 gewann Marcel Kutak im Lotus vor Franz Durrer im Austin Cooper S und Detlef Walter im Marcos 1800 S.
Resultat Rennen 2:
Div.1:
- Laurence Nesbach, Morgan +8
- René Grüter, MG B
- Jon Wolfe, MG B V8
Div.2:
- Marcel Kutak, Lotus Elan
- Franz Durrer, Austin Cooper S
- Detlef Walter, Marcos 1800s
Rennen 3 Montagmittag:
Der 3. Rennlauf hat jedoch die vorherigen Rennläufe an Spannung noch getoppt. Diesmal wollten es alle Fahrer die an den Start gegangen sind noch einmal wissen. Über das gesamte Starterfeld gab es immer wieder starke Positionswechsel. Davon war auch die Spitze nicht verschont geblieben. Laurence Nesbach musste recht früh in die Box wegen technischen Schwierigkeiten. Diese konnte jedoch schnell behoben werden. Und so arbeitete er sich vom letzten Platz wieder Stück für Stück nach vorne. Indes hatte sich Robin Rozema ebenfalls sehr erfolgreich weiter nach vorne gearbeitet und einen unerbittlichen Kampf um Platz 1 mit René Grüter geliefert. Detlef Walter der erstmalig mit seinem Marcos unterwegs war gewann immer mehr Vertrauen zum Fahrzeug und konnte sich so ebenfalls von Rennlauf zu Rennlauf verbessern und finishte so auf Platz 9 im Feld. Ein kleines Auto mit viel Wumms und absolutem Durchhaltevermögen des Fahrers ist der Mini des Schweizers Franz Durrer. Es war beeindruckend zu sehen, dass die Indy Strecke von Brands Hatch genau für solche Fahrzeuge gebaut worden zu sein scheint. Die vielen schnellen Wechsel und Kurvenkombinationen ohne wirkliche Geraden brachten alle Vorzüge des kleinen Renn-Minis hervor.
Auch der Dolomite Sprint von Bruno Stoller vermocht zu überzeugen. Alle Läufe der Veranstaltung beendete die Triumph Limousine klaglos in den gewerteten Rängen, ohne Wenn und Aber.
Alle Fahrer haben an diesem Rennwochenende in Brands Hatch Beeindruckendes gezeigt und so für alle Zuschauenden die Zeit sehr kurzweilig werden lassen und Lust auf mehr gemacht. Vielen Dank dafür!
Ach so, nach einer harten Aufholjagt konnte sich unser ehemaliger Rookie Laurence aufs Podest zurück kämpfen. Auf Platz 2 hat Robin Rozema knapp hinter René Grüter gefinisht und auf Platz 3 ist Laurence Nesbach ins Ziel gekommen. Diese Konstellation hat sich ergeben, weil infolge eines Unfalls in der Startkurve das Rennen in Runde 21 mit der roten Fahne abgebrochen wurde.
Resultat Rennen 3:
Div.1:
- René Grüter, MG B
- Robin Rozema, MG A
- Laurence Nesbach, Morgan +8
Div.2:
- Marcel Kutak, Lotus Elan
- Franz Durrer, Austin Cooper S
- Detlef Walter, Marcos 1800s
Fazit: Die Anreise war lang und teilweise etwas beschwerlich, aber das Grinsen in den meisten Gesichtern hat den Eindruck bestätigt: Es hat sich gelohnt! Die Strecke war für fast alle neu, es gab keine Stelle wo man sich kurz ausruhen konnte. Für die Spitze begannen nach ein paar Runden schon die Überrundungen was höchste Aufmerksamkeit erforderte. Kaum jemand kam ohne Fehler über die Runden, so ergaben sich immer wieder Zweikämpfe um die Positionen im Feld.
Einige Ausfälle waren leider zu vermelden, alle technische Natur, keine Unfälle auf unserer Seite waren zu vermelden.
Ein grosses Dankeschön an die Leute des CSCC rund um David die für uns vieles im Vorfeld erledigt hatten so dass wir das Wochenende geniessen konnten.
Luzern, 5. Juni 2026








