… persönliches Treffen in malta im Februar 2026
Chris hatte uns schon mehrfach angeboten seine Oldtimersammlung in Valetta, Malta, anzusehen. Im Rahmen eines Urlaubs in wärmeren Gefilden sind wir diesem Angebot sehr gerne nachgekommen.
Am Morgen war der maltesische Verkehrsminister mit einem Aufnahmeteam des Fernsehens bei ihm, es ging um eine Novellierung der Zulassungsbestimmungen für historische Fahrzeug auf Malta und da fragt man dort tatsächlich jemanden, der sich auskennt. Wäre auch eine Empfehlung für manchen unserer Minister. Praktisch für uns, fast alle Fahrzeuge waren noch nicht wieder abgedeckt.
Die Sammlung verschlägt uns den Atem, ich muss spontan an die Loh Collection in Dietzhölztal denken. Wesentlich weniger Fahrzeuge und nicht in aufwendigen Dioramen dargestellt wie dort, aber das, was da in der Tiefgarage geparkt ist, muss man als absolut neuwertig betrachten.
Neben dem Prototyp eines Triumph GT Roadster (kein Spitfire mit Sechs zylindermotor, sondern ein Werkswagen mit allen Dokumenten, der leider nie in Serie ging) stehen hier Jaguar und Porsche in absoluten Concours Zustand. Die meisten haben Preise gewonnen, wie eine eindrucksvolle Wand mit entsprechenden Urkunden belegt. Berichte oder Fotos darüber sind allerdings tabu. Schade für euch, aber ich werde die Eindrücke wohl nicht so schnell vergessen.
Der TRX ist extra für uns in eine separate Werkstatt gefahren worden, zwei Mechaniker stehen bereit, um uns das Fahrzeug unter Chris Anleitung vorzustellen. Hier darf ich dann auch fotografieren. Durch meine Recherche war ich dem Wagen schon recht nahegekommen, das persönliche Treffen verstärkt und ergänzt nun diese Eindrücke.
Wenn man sich dem Wagen vom Heck her nähert, erinnert er mit der abfallenden Silhouette des Kofferraumdeckels und der gebogenen Stoßstange entfernt an einen Mercedes 190 SL. Der kam allerdings erst 1955 auf den Markt, man kann Walter Belgrove hier keine Plagiatsvorwürfe machen. Die fließenden Linien werden nochmals verstärkt, sobald die Radabdeckungen montiert sind. Dafür verlassen die Spats ihre passgenauen Ledertaschen.
Der elegante, recht große Kofferraumgriff beherbergt den Tankverschluss, man kann den Tankstutzen auch ohne die Haube zu öffnen bedienen. Innen luxuriös mit rotem Teppich ausgekleidet, befindet sich an der Rückwand des Kofferraums eine Klappe, hinter der sich das Bordwerkzeug versteckt.
Ein schnöder Wagenheber entfällt, dafür gibt es an jeder der vier Ecken hydraulische Zylinder. So etwas kennt man heute bei großen Wohnmobilen zum Niveauausgleich.
Wie es sich gegenüber einem rechts gelenkten Fahrzeug gehört, führt mich mein Weg auf dieser Seite in Richtung Fahrertür. Der zierliche Türgriff hat spätestens beim Schließen eine wichtige Aufgabe. Die schwere Tür mit den hydraulischen Fensterhebern lässt sich nur schließen, wenn man sie beherzt anhebt. Innen gibt es einen Druckknopf zum Öffnen, keinen typischen Handgriff. Eine kleine Kur bel verstellt die vorderen Dreiecksfenster. Für die Seitenscheiben ist Elektro-Hydraulik zuständig. Das Armaturenbrett beherbergt einen halbrunden Tachometer, eine Zeituhr, Anzeigen für Öldruck, Temperatur und Tankinhalt, diverse Schalter sowie ein Radio. Die dazugehörige Antenne fährt bei Bedarf automatisch aus dem linken Kotflügel. Wir sind tatsächlich immer noch 1950 in UK! Das Lenkrad ähnelt sehr stark dem später beim TR 2 verwendeten, mit Federspeichen und dem Blinker Schalter zentral in der Nabe. Die Bedienung des Dreiganggetriebes erfolgt über einen Hebel am Lenkrad. Armaturenbrett und durchgängige Sitzbank sind mit rotem Leder bezogen.
Zum Öffnen und Schließen des Daches braucht es trotz – oder wegen – der Automatik zwei erfahrene (!) Personen und einige Zeit. Zuerst muss die Sitzbank nach vorne gefahren werden. Ein elektrischer Spindelantrieb übernimmt die Aufgabe, entsprechende Endlagenschalter erlauben oder verbieten die Bewegung des Verdecks. Nun wird die dreiteilige Abdeckung manuell nach vorne geklappt. Die beiden Mechaniker wissen, was sie tun. Einfach sieht das allerdings nicht aus. Dann fährt das Dach auf Knopfdruck hydraulisch angetrieben heraus. Mit entsprechenden Haken wird das Verdeck jetzt von Hand am Scheibenrahmen befestigt. Ein Klappverdeck, wie ab TR 4A verbaut, ist definitiv schneller bedient – aber natürlich nicht so elegant.
Auffälligstes Merkmal der Front sind die verdeckten Scheinwerfer. Mit dem Einschalten verschwinden die Abdeckungen. Faszinierend, dabei zuzusehen. Der Kühlergrill hat eine kleine Klappe, dahinter verbirgt sich der Zugriff für eine Anlasskurbel. In unserem Beisein startet der TRX allerdings ziemlich schnell, ansonsten hätte ja auch die Kraft für die Hydraulik gefehlt.
Die Motorhaube ist in Fahrtrichtung zu öffnen, links oder rechts. Bei Be darf lässt sich die Haube auch ganz abheben. Darunter ist der irgendwie bekannte Vierzylinder, allerdings -INFO 2/2026 mit einem Gegenstromzylinderkopf. Das Luftfiltergehäuse wurde nach Fotographien und mit Bauteilen aus dem Jaguar Mark IX nachgebildet und entspricht wie alles andere dem Original.
Triumph hat sich nach 1950 eher verschämt aus der Affäre gezogen. Marshall of the Royal Air Force Arthur William Tedder, ein sperriger Titel, aber so sind die Angelsachsen nun mal, der Nachfolger von Sir John Black als Chairman of Standard Triumph, machte bei seinem Antritt 1954 klar Schiff.
Unter anderem trennte man sich von „failled projects“. Zu denen zählte man den TRX, obwohl er 1950 auf der Earl Courts Motor Show das Wohlwollen von Prinzessin Magret erhalten hatte. Die Bilder zum Verkauf wurden sehr bewusst nicht innerhalb des Fabrikgeländes aufgenommen, sondern zum Beispiel in Charletone Park’s Elizabethan Gatehouse. Es sollte möglichst kein Bezug zur aktuellen Modellpolitik hergestellt werden. Der TR 2 ist da schon im Handel.
Aber zurück in die Realität. Von drei Prototypen ist einer jetzt in Malta, ein anderer in den USA und der dritte verschollen. Über HKV20 gibt es zwei ausführliche Bücher von Chris, einmal die Historie, einmal die Restaurierung betreffend. Zusammen mehr als fünf hundert Seiten mit unendlich vielen Fotos. Darin sind alle Maßnahmen beschrieben, aber auch wer den Wagen wann besessen hat. Das sogenannte Logbook ist lückenlos.
Die Auflage beider Bände insgesamt liegt im unteren einstelligen Bereich, ihr versteht, was ich meine. Ein zwanzigseitiges Booklet gibt es auch, wir bekommen eins mit Widmung zum Abschied. Und nein, das wird nie auf Ebay zu finden sein.
Michael Gawol