Von der Wesermarsch nach Ostfriesland und ins Ammerland

Anfang Juni war die Gruppe Bremen zur Spargel-Tour unterwegs.
Thomas Real hatte freundlicherweise die Aufgabe übernommen, die geplante Tour für alle in digitale Karten zu übertragen, was (besonders den allein Fahrenden) das Navigieren erleichterte. An der Raststätte Hasbruch bei Delmenhorst trafen sich die Besatzungen von 3 TR 6, 1 TR 5 mit Hund, 1 Spitfire (und später 1 TR 4 und noch 1 TR 6) sowie 1 MGB GT V8, 1 Fiat Spider und 1 3er BMW Cabrio.
Vor uns lagen etwas mehr als 100 km. Nach einer kurzen Fahrt auf der A 28 ging es Richtung Hude und mit Schäden an der Straße in den Wesermarschort Berne.
Der Himmel zeigte sein graues Gesicht – voller Optimismus fuhren wir offen-natürlich! und hofften, dass der Regengott uns gnädig gesonnen war.
Die Hunte wurde auf der neuen Hub-Brücke überquert, weiter ging es nach Westen, vorbei mit einem flüchtigen Blick nach links zu den Gebäuden des Kraftwerks Huntorf, einem 1978 erbauten, weltweit ersten kombinierten Druckluftspeicher- und Gasturbinenkraftwerk.
Erwähnenswert deswegen, weil hier umweltfreundlich Strom vom Kernkraftwerk Unterweser in Schwachlastzeiten aufgenommen und dazu benutzt wurde.
Luft in unterirdische Kavernen zu pumpen und so zusammen zu pressen, dass bei Bedarf (Spitzenlastzeiten) die komprimierte, erwärmte Luft über Turbinen wiederum Strom in das Netz einspeisen konnte. Nach Stilllegung des Kernkraftwerks werden hier Überkapazitäten aus Windstrom genutzt. Ob man zukünftig in den Kavernen Wasserstoff speichern kann, muß sich zeigen.
Über Butteldorf ging es im westlichen Teil der Wesermarsch weiter durch beschauliche, fast einsame Straßendörfer mit teils alten Reetdachhäusern, teils neuen Häusern auf oft großen Grundstücken – fernab von städtischem Getöse wie in Oldenburg oder Bremen.
Unser Tempo wurde dann gedrosselt durch Straßenboßler (gesprochen mit langem „o“) beim Mannschaftswettkampf.
Für die, die nicht in Norddeutschland zuhause sind, sei kurz erklärt:
Der überwiegend in Mannschaften ausgetragene Sport ist ein wichtiger Tei der Friesenkultur. Es gilt, eine mit Metall gefüllte Kugel mit Holz-, Kunststoff- oder Gummischale von etwa der Größe einer Boccia-Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen, Kurven eingerechnet.
Geübte Werfer erreichen eine Weite von etwa 200 m.
Nach kurzer Fahrt auf der B 211 gelangten wir in einen weiteren Teil der Wesermarsch im Nordwesten mit schmalen, oft kurvigen Straßen mit z. T. moorigem Untergrund, gesäumt von Alleebäumen. Eine schöne Landschaft für eine Ausfahrt mit unseren TRs. An einer Ecke wartete Thore mit seinem grünen TR 4 und schloss sich unserem Konvoi an.
Kontrastreich dann die Fahrt auf der vielbefahrenen B 437 in Varel, die wir aber nach einigen Kilometern wieder verlassen konnten in Richtung Bockhorn und dann Zetel. Am Straßenrand zu sehen waren bereits die Plakate für das alljährliche Oldtimer-Treffen in Bockhorn Anfang Juni.
Nach 2 Stunden Fahrt war ein Halt angesagt, in Zetel gab es eine Möglichkeit zur Toilettenpause. Wenig später ereichten wir unser erstes Ziel: das Horster Grashaus.
Auf einer alten Karte als Ostfriesisches Landgrashaus dargestellt, war es eine große Hofstelle mit viel Grasland, also Weidewirtschaft. Damals wurde das Flächenmaß Hektar als Grasen bezeichnet. Besonderheit war die Scheune mit Doppelständer-Werk in einer Länge von 75 m, geschichtlich belegt als die längste Scheune in Ostfriesland. Heute sind neben Ackerbau, Pferdehaltung und Sandabbau vor allem das im Sommer gern besuchte Hofcafe mit Bauerngarten und der Hofladen eine Art Geheimtipp.
Hier gönnten wir uns eine ausgedehnte Pause, auch um bei Kaffee oder Tee ein großes Stück der berüchtigten Ostfriesentorte mit Extra Rum Rosinen zu probieren. Leider war das Wetter nicht einladend genug, um im Garten zu sitzen, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat.
Nicht weit vom Horster Grashaus befindet sich die Kavernenanlage Etzel im Ortsdreieck Etzel – Horsten – Marx bei Friedeburg und etwa 20 km südwestlich von Wilhelmshaven, dem größten Ölimporthafen Deutschlands entfernt.
Bereits 1970/71, also vor den Ölkrisen von 1973 und 1979 verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland zur Anlage einer Bundesrohölreserve, um einen Mindestvorrat an Rohöl zu speichern. Dazu wurde 1971 der Kavernenbetrieb in Etzel begonnen. Inzwischen gibt es dort auch Gasspeicher. Ob zukünftig dort durch die Nähe zum Nordseewasser eine Speicherung von Wasserstoff möglich ist, muß noch geklärt werden. Zwischen Wilhelmshaven und Etzel gibt es bereits eine Pipeline.
Am frühen Nachmittag ging es von Ostfriesland nach Süden in die Parklandschaft des Ammerlands Richtung Kreisstadt Westerstede. Wir bogen vorher in Linswege ab, vorbei am Rhododendron-Waldpark Petersfeld nach Spohle und Wiefelstede.
Unser nächster Halt war bei dem frei zugänglichen Rhododendronpark in Gristede, errichtet von der größten Baumschule Europas. Unter dem Schutz hoher Kiefern finden sich hier etwa 1000 Rhododendren und Freiland-Azaleen auf einem Gelände von 25 ha, angelegt in den 50iger Jahren von den Brüdern Bruns. Seit 1985 haben die jeweiligen Bundespräsidenten und ihre Damen die Ehre die Neuzüchtungen zu taufen. 2019 durfte OTTO eine Pflanze „Ottodendron“ nennen.
Leider hatten wir nicht das Glück vieler Besucher vor uns, die Pflanzen in voller Blüte zu sehen, obwohl es erst Anfang Juni war. Der Spaziergang in der angenehmen Ruhe des Parks lohnte sich trotzdem.
Ein kleiner Abstecher führte uns noch zur Rügenwalder Mühle in Bad Zwischenahn.
Baumeisters heute mehr für vegane als für Fleischprodukte.
Oft in der Fernsehwerbung zu sehen, steht die nachgebaute Mühle eines holländischen Baumeisters heute mehr für vegane als für Fleischprodukte.
Inzwischen waren auch Björn und seine Frau mit ihrem TR 6 zur Gruppe gestossen.
Nach einer Runde um den Binnensee Zwischenahner Meer erreichten wir das Ziel, unserer diesjährigen Spargel-Tour, den Gristeder Ho
Vor dem Essen diskutierten einige Experten mit Björn bei seinem TR 6.
Im Wintergarten gab es reichlich Spargel, zuerst als Suppe und dann mit Ammerländer Schinken und Schnitzel, dazu die passenden Saucen. Auch das Dessert konnte alle zufrieden stellen, für jeden war etwas dabei.
Es war ein runder Abschluß einer Tagestour, die Rückfahrt nach Bremen erfolgte mit zufriedenen Gesichtern. Wir hatten Glück mit dem Wetter, unser anfänglicher Optimismus wurde belohnt, es gab keine Ausfälle bei den Fahrzeugen.
Bleibt zu hoffen, dass in dieser Saison noch mehr Ausfahrten folgen.
Gerhard J. Bremer
Gruppe Bremen






