TR Info 5 / 2019

 

Quax, Leeze, Kübelmajor

 

 

Kumpel und TR-Fahrer haben eine Gemeinsamkeit: Sie müssen sich aufeinander verlassen können. „Bergleute sind unter Tage aufeinander angewiesen, sonst können sie keine Kohle fördern“, sagt Prof. Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr Museums und Vorstandsmitglied der Stiftung Zollverein in Essen.  Wir sagen: TRler sind aufeinander angewiesen, sonst können sie keine Pfingsttreffen ausrichten und diese nicht erreichen, wenn sie sich bei einer Panne nicht gegenseitig helfen.

Wenn es bei uns „Pöttern“ heißt, „Wir machen das jetzt!“, dann machen wir das auch. „Wegen dieser Mentalität wird der Menschentyp im Ruhrgebiet überall geschätzt“, so Prof. Grütter. Der Mann muss bei einer unserer Versammlungen gewesen sein. Denn so (oder besser: so ähnlich) verlief der Startschuss für das Pfingsttreffen in Bad Sassendorf – außerhalb unseres vertrauten Reviers.

Warum Bad Sassendorf? Es gibt zwei wichtige Verbindungen aus der Vergangenheit: Kohle wurde aus dem Ruhrgebiet nach Bad Sassendorf per Eisenbahn geliefert, Salz kam über den Westfälischen Hellweg zurück.  Außerdem wussten die Bergleute und Industriearbeiter und deren Arbeitgeber die gesunde Luft zu schätzen: Die „Ruhries“ wurden sozusagen zu beliebten „Touries“ 

 

Erzbergwerk Ramsbeck

 

Kohle (im Ruhrgebiet gibt es keine fördernde Schachtanlage mehr) wusste man in Bad Sassendorf sehr zu schätzen, denn sie wurde für die Gewinnung von Salz gebraucht. Zuvor setzten die Salzsieder Holz ein. Wären sie dabei geblieben, wäre es in den Wäldern zu einem Kahlschlag gekommen. So entstand 1851 in Bad Sassendorf der erste Kohleschuppen für die Lagerung des „Grubengoldes“, das dringend als Brennmaterial für die Siedepfannen gebraucht wurde. Der Kohleschuppen ist – wie die Schachtanlagen im Revier – längst Geschichte.

Doch Salz ist in Bad Sassendorf – diese Plattitüde muss erlaubt sein – in aller Munde. Mit dem Werbespruch „Entdecke das Salz des Lebens“ werben die „Westfälischen Salzwelten“ für den Besuch. Davon können sich die TRler aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland während des Pfingsttreffens überzeugen, denn ohne Salz kein Leben.

Noch heute begegnen die Gäste auf Schritt und Tritt der Sole. Im Kurpark am Gradierwerk, das  zurzeit neu errichtet wird, rieselt sie an den Schwarzdorn-Zweigen herunter und winzige, salzhaltige Tröpfchen reichern die Luft an. Im Solethermalbad baden die Besucher in den mit Natursole gespeisten Becken oder erleben ihre wohltuende Wirkung als Solenebel in der Meersalzgrotte.

Das Thermalbad bietet sich als Alternative an, wenn das Wetter über Pfingsten nicht zu den Ausflügen einlädt, die die Mitglieder der Gruppe Ruhrgebiet vorbereitet haben. Ein empfehlenswertes Ziel sind die Quax-Flieger am Flughafen Paderborn. Dort können Oldtimer bewundert werden. Von der sehenswerten und landschaftlich reizvollen Fahrt von Bad Sassendorf zum Flughafen überzeugten sich im August bei schönem Sommerwetter 28 TRler in 15 Fahrzeugen. Sie hatten das Glück, den blitzenden Lockheed-Flieger (Electra Junior 12 a, Baujahr 1937) zu sehen, der einst das Dienstflugzeug von General Charles de Gaulle war. Der Oldtimer, kurz vorher aus den USA überführt, war gerade zur Wartung im Hangar.

 

Quax MSch

 

Von Paderborn geht es weiter nach Oelde, wo die Pott’s Brauerei ihren Sitz hat und in deren Biergarten deftige Kost und verschiedene Biersorten auf die Gäste warten. Auf der Karte findet sich übrigens ein Leeze genanntes Bier mit und ohne Alkohol. Leeze – ist im Münsterland der Begriff für ein zweirädriges Transportmittel, das – mit einem Elektromotor versehen – immer mehr Anhänger findet

Bier spielt auch bei einer Tour zur Kreisstadt Soest eine Rolle. In Soest, der „heimlichen Hauptstadt Westfalens“, kann man sich nämlich auf eine historische Gaststättentour begeben. Ein Streifzug zum Kennenlernen lokaler Spezialitäten, unter anderem zum ältesten Gasthof Westfalens, dem im Jahr 1304 gegründeten Pilgrim Haus, und zum rustikalen Brauhaus Zwiebel -  mittelalterliche Histörchen inklusive.

 

Soest Theodor Heuss Park

 

Wie schon in der letzten TR Info erwähnt, spielt der Bergbau auch bei unseren Ausfahrten eine Rolle. Ein Ziel ist die Zeche Zollern in Dortmund, auch „Schloss der Arbeit“ genannt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe betreibt die ehemalige Schachtanlage als Industriemuseum. Zu den Ausstellungsstücken gehört auch ein Abbauhammer. Mit diesem mit Pressluft betriebenen Werkzeug wurde die Kohle abgebaut, unter welchen schwierigen Bedingungen zeigt ein Film. Wenn man diesen Hammer hochhebt, weiß man, welche körperliche Arbeit früher Bergleute leisten mussten.

Die in der letzten TR Info gestellte Frage, welche Aufgabe der Kübelmajor unter Tage hatte, wird in der Ausstellung aufgelöst: Während der Schicht mussten auch Kumpel mal müssen. Und dafür gab es eben besagten Kübel. Der Kübelmajor hatte die Aufgabe für Leerung und Reinigung zu sorgen.

Im quasi vor der Haustür von Bad Sassendorf liegenden Sauerland hat man die Qual der Wahl: im Land der „tausend Berge“ gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Niemand kann heute mit Gewissheit sagen warum das Sauerland eigentlich Sauerland heißt. Einige Deutungen gehen dahin, den Namen vom niederdeutschen „sur“ abzuleiten, was schwierig bedeutet. Andere Erklärungen beziehen sich auf die ältere Bedeutung des Wortes „sur“ für feuchtes, schwer zu durchquerendes Gebiet. Welche Erklärungen auch immer zutreffen mögen, eines steht auf jeden Fall fest:  Das Sauerland ist für Oldtimerfahrer die Tourenregion par excellence.

„Auf schnellen, gut ausgebauten Landstraßen oder,  ganz nach Geschmack, über kurvenreiche, spannende Nebenstrecken lässt sich hier mit dem TR ein außerordendlich abwechslungsreiches Land erkunden“, wissen Martin Bettermann und Gerd Hillebrand, die gleich mehrere Strecken zusammengestellt hab

Und schon wieder kommt der Bergbau ins Spiel. Diesmal geht es aber nicht um Kohle, sondern um das Erzbergwerk Ramsbeck. Das Bergbaumuseum zeigt den Abbau von Zink und Blei von der Eröffnung im Jahr 1518 bis zur Schließung im Jahr 1974. Das Highlight ist natürlich die ca. einstündige Einfahrt mit der Grubenbahn 1,5 km tief in den Dörnberg. Dort tauchen die Gäste ein in die ehemalige Arbeitswelt der Kumpel. 300 m unter Tage beträgt die Temperatur das ganze Jahr über 12 ° Celsius.

Übrigens: beim genussvollen Fahren unter hoffentlich blauem Himmel und Bewundern der Landschaft sollten die Verkehrsschilder im Auge behalten werden. Geschwindigkeitsbegrenzungen von 100 km/h auf 30 km/h innerhalb 150 m sind im Sauerland keine Seltenheit und der besondere Polizei-Humor. Rat unserer Sauerland-Experten: „Also nehmt die Verkehrsanweisungen mit einem Lachen und versucht sie einzuhalten.“

Bei einer Tour zum Möhnesee und zur Stadt Arnsberg kommen wir an der ehemaligen Autofabrik von Paul Kleinschnittger vorbei. Der Kleinschnittger war ein Kleinwagen mit 6 PS und fuhr bis zu 70 km/h. Zwei Personen passten hinein, und wenn`s  rückwärts ging, musste man aussteigen und schieben, denn der Wagen hatte keinen Rückwärtsgang. Er wurde 1949 als „Volkswagen aus dem Sauerland“ angekündigt.

Karl-F. Augustin

 
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