Truly british
oder
Kampf unter Windrädern

Ein Bericht von Michael Wiring

 

 

Was lange währt wird endlich gut, sagt man. Da muss was dran sein. Vor über einem Jahr hat Dieter Seidel das erste Mal von einer Serie von Oldtimerrallyes nur für Triümphe gesprochen, mit Hans-Werner Mattis, Manfred Diehl, uns und anderen Enthusiasten des Oldtimerrallyesports. Wir waren skeptisch, sind wir doch in der Szene gut verwachsen und kennen potentielle Teilnehmer an so einer Veranstaltung.

 

 

Einer „British Classic“ ausschließlich für englische Fahrzeuge räumten wir mehr Chancen ein. Dieter Seidel verfolgte die Idee weiter und fand in Marcus Pieper und Wolf-Dieter Klemz zwei kompetente Mitstreiter. Eine Oldtimerrallye im britischen Stil sollte es natürlich werden: Viel Orientierung und den ein oder anderen „Test“ auf abgeschlossenem Terrain.
Mit dem Redinger Hof in Bad Lippspringe bei Paderborn hatte das Orgateam bald einen guten Startund Zielpunkt gefunden. Marcus konnte mit der Eventlokation schon gute Erfahrungen bei diversen Oldtimertreffen machen. Ein bisschen englischen Charme verstreut der in einem wunderschön eingewachsenen Garten gelegene Hof auch.

 

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Dieter und Marcus fanden schnell eine schöne, verwinkelte Strecke auf kleinen und kleinsten Straßen und hatten auch schon die richtigen Aufgaben parat. Für die Tests boten sich das ADAC
Sicherheitszentrum Kaiserkuhle in Rüthen und die ADAC Trainingsanlage in Paderborn an. Perfekt!
Jetzt stellte sich die bange Frage: Erreichen die drei auch genügend Teams mit englischen Fahrzeugen, um ein Starterfeld mit rund 50 Teilnehmern zusammenzukriegen? Die Antwort lautete JA! Die Startliste führte 61 Teams aus England, Holland und natürlich Deutschland in den Klassen „Sport“ und „Touring“.
Am 13. Mai war es dann soweit. Auf den Rasenflächen des Parks des Redinger Hofs versammelte sich eine bunte Schar von teils Rallye mäßig hergerichteten, aber auch Concours verdächtigen britischen Oldtimern. Vom TR3 über TR4, TR6, 2000, 2500, Spitfire, GT6 bis zum Stag war eine schöne Range der Modelle der Marke Triumph vertreten. Aber auch die Fraktion von MG, Jaguar, Austin-Healey, Rover und Lotus waren gekommen, dieses Erstlingswerk zu meistern. Was für ein Bild, so muss sich Dieter das vorgestellt haben.
Nach der üblichen Begrüßung, der Dokumentenausgabe, dem „schmücken“ der Fahrzeuge mit großen, weißen Startnummern startete der erste Teilnehmer ab 9:15 Uhr durch das Startzelt zur
rund 250 km (Sport) bzw. 220 km (Touring) langen Tour. Das übersichtlich gestaltete Roadbook gab präzise Regeln vor, nach denen die drauffolgenden, farbigen Kartenskizzen zu bearbeiten waren.
Nummerierte Pfeile ergaben in aufsteigender Reihenfolge und auf dem kürzesten Weg angefahren die Idealstrecke. Manch ein dazwischen gesetzter Punkt, für den andere Regeln galten,
verkomplizierte die Sache. Ach ja, dann gab es da noch die Einbahnstraßenregelung, sprich ein in einer Richtung befahrener Weg durfte nicht in der Gegenrichtung befahren werden. Anhand von Stempelkontrollen und den notierten „stummen Wächtern“ konnte das Auswertteam des Veranstalters das Einhalten der Idealstrecke erkennen. Abweichungen führten zu Fehlerpunkten.
Ganz einfach!? Ja, wenn man nicht alle zig hundert Meter abzweigen muss, den richtigen Wirtschaftsweg finden und zudem noch eine Idealzeit basierend auf einem 45km/h-Schnitt (Sport)
einhalten muss. Das kann schon anstrengend für Fahrer und besonders den Beifahrer werden, vor allen Dingen, wenn man sich mal verfährt. So wurde die Veranstaltung zum „Kampf unter den Windrädern“, denn die Idealstrecke passierte so manch einen Windpark, welche über hervorragende Wege zwischen den Windrädern verfügen. Aber auch sonst war die Strecke englisch anmutend: so breit wie ein englisches Auto eben, mit viel Grün außen rum.
Da waren die Tests ja fast Erholung. Die Zeit in der  Warteschlange war eine angenehme Verschnaufpause. Man konnte den anderen Teilnehmern bei dem Meistern der Aufgaben zuschauen und seine Schlüsse daraus ziehen: in dem Eck ist es glitschig, dort kann man Gas geben. Die Fahrstrecke war gut zu erkennen, teilweise mit Pylonen gekennzeichnet und sollte innerhalb von 45 Sekunden durchfahren werden. Die Differenz zur Referenzzeit und falsche Streckenwahl gab Strafpunkte. Schnell war klar: Hier fährt man am besten so schnell, wie es geht und das ohne sich zu verfahren!
Die Mittagspause war für eine englische Rallye passend gewählt: Das Hotel „Spitze Warte“ bot eine Gulaschsuppe, ausreichend um sein Leistungsgewicht nicht zu verschlechtern ;-)
Ach ja, dann war da noch das Wetter. Herrlicher Sonnenschein wechselte sich mit weichen Landregenschauern ab. Das bedeutete für die meisten Dach auf, Dach zu!
Zum Glück hatte sich der Himmel dann auf einen warmen, trockenen Abend eingependelt. So konnte man im Biergarten des Redinger Hofs das Zielbier/Zielprosecco genießen und sich dann dem Sortiment am Grill nebst diversen Salaten und Beilagen zuwenden. Alles war bodenständig einfach, schmackhaft und in ausreichenden Mengen vorhanden. Die Zeit bis zur Siegerehrung konnte man mit Gesprächen unter Gleichgesinnten überbrücken oder schon vorab seine Fehler auf der ausgehängten Idealstrecke nachvollziehen.
Die Siegerehrung verlief kurz und knackig: 5 Plätze je Klasse wurden mit Pokalen geehrt, das war’s.
Schließlich war „Dabeisein“ und nicht gewinnen wichtig.
Danach ging es zum gemütlichen Teil des Abends über. Alles in Allem war es ein gelungenes Erstlinkswerk, dem hoffentlich weitere Veranstaltungen folgen werden. Auch die weite Anreise aus dem Schwabenländle hat sich gelohnt.

 

Vielen Dank an das
Organisationsteam und die IG-Südwest, die die Idee unterstützt hat.


 

 

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