So geht Rallye!

 

Ein Bericht von Uwe Meyer über die erste Rallye der British Classic

 

Welche Motivation haben Fahrer von Oldtimern oder Klassikern, mit ihren Fahrzeugen an Oldtimer Rallyes teilzunehmen? Die Antwort auf diese Frage fällt sehr unterschiedlich aus, wenn man sie an Teilnehmer der unterschiedlichsten Veranstaltungen richtet, die aber alle unter dem gleichen Obertitel Rallye geführt werden.

 

Eine Motivation haben fast alle gemeinsam, nämlich den Wunsch, sich mit ihrem Fahrzeug mit anderen Besitzern ähnlicher Fahrzeuge zu treffen und dann eine vom Veranstalter vorgegebene, meist landschaftlich reizvolle Strecke gemeinsam zu fahren.  Eine weitere Motivation ist der Wunsch, sein schönes und inzwischen auch seltenes Fahrzeug vor staunenden Zuschauern zu präsentieren. Dies geschieht beim Start auf exponierten Plätzen mit einer entsprechenden Moderation und auch bei Wertungsprüfungen im Streckenverlauf. Die sportliche Motivation der Teilnehmer tritt dabei nicht selten in den Hintergrund. Für einen ehemaligen Rundstreckenfahrer, der sein Auto ganz legal im öffentlichen Straßenraum sportlich unter Wettbewerbsbedingungen fahren möchte, ist das sehr ernüchternd und wenig motivierend.

 

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Die beschriebenen Oldtimer-Rallyes haben sicher ihre Berechtigung und führen ja auch dazu, dass solche Veranstaltungen wie Pilze aus dem Boden schießen. Wenn die Organisatoren ihre Rallye aufwerten wollen, laden sie nicht selten prominente Gaststarter aus dem Showbusiness ein, die nur in den wenigsten Fällen eine Beziehung zum Oldtimer oder gar zum Motorsport haben, aber für die Zuschauer und manchmal auch für die ´normalen` Starter eine zusätzliche Attraktion darstellen. Ihre Gage wird aus dem hohen Nenngeld und dem damit natürlich auch größeren Sponsorenengagement finanziert.

 

Was machen aber jetzt die Oldtimerfahrer, die in erster Linie aus motorsportlicher Motivation an Rallyes teilnehmen wollen. Die, die nichts gegen Fahrten durch schöne Landschaften und auch nichts gegen Promis in sündhaft teuren und sehr seltenen Fahrzeugen haben, die aber die Sportlichkeit im Sinne des klassischen Rallyesports in den Vordergrund stellen möchten?

 

Einige finden Rallyes, die noch im Ansatz den Gedanken der 50er und 60er Jahre umsetzen, wo Rallyes für Jedermann veranstaltet wurden, die in einer Kombination von schnellen Wertungsprüfungen (WP) auf abgesperrten Strecken und Verbindungsetappen in einer vorgegebenen Zeit durchfahren werden mussten. Diese Zeit war so knapp bemessen, dass man sie bei Einhaltung der StVO nur bei guter Navigation, also Finden der kürzesten Verbindung zwischen den beiden Punkten der WPs, erreichen konnte. Ein Unterschreiten der vorgegebenen Zeit bedeutete in der Regel, dass ein Verstoß gegen die StVO stattgefunden hatte und wurde besonders streng mit Strafpunkten geahndet. Nur wenige der angebotenen Rallyes können diesen Wünschen heute nachkommen. Wie soll das auch funktionieren, wenn vom Veranstalter Fahrzeuge aller Kategorien vom Rallye Mini Cooper über die Mercedes Pagode, das historische Feuerwehreinsatzfahrzeug bis hin zum VW-Bulli T1 zugelassen werden? Das sind sicher interessante Fahrzeuge. Wenn man aber auf einem engen Wirtschaftsweg fünf Kilometer mit 30 km/h hinter ihnen herfahren muss und dann an der WP immer noch zehn Minuten zu früh ist, trägt das nicht zur Motivation des sportlichen Rallyefahrers bei.

 

Doch es gibt sie noch die sportlichen Rallyes. Oder sollte ich besser im Singular schreiben: Es gibt wieder eine sportliche Rallye in Deutschland, die British Classic. Dieter Seidel und Marcus Pieper haben in diesem Jahr mit einer engagierten Gruppe von Helfern die erste Ausgabe einer sportlichen Rallye für britische Fahrzeuge nach historischem Vorbild veranstaltet. Eine Form des Rallyesports, wie er auch teilweise noch in Frankreich, Belgien und natürlich Großbritannien zu finden ist.

 

Mein Co-Pilot Ralf und ich hatten sofort nach der Ausschreibung mit dem 3er für diese Veranstaltung genannt und waren gespannt auf diese etwas andere Rallye. Zur Anmeldung und Fahrzeugabnahme trafen wir Freitagnachmittag beim Gut Redinger Hof ein. Das kleine Landgut in Bad Lippspringe mit seiner guten Gastronomie und dem ansprechenden Ambiente ist ein idealer Start und Zielort für eine Rallye mit britischen Autos. Die Triumphs, Austin Healeys, Jaguars, MGs , Rover und Lotus wurden beiderseits der schönen Zufahrtsallee des Gutes für den Start aufgestellt.

 

Nach der Fahrerbesprechung am Samstagmorgen wurde die Rallye gestartet, angeführt von einem wunderschönen Railton Straight 8 Open Tourer von 1936. Die Fahrzeuge waren in die zwei Kategorien Touring (Durchschnittsgeschwindigkeit 40 km/h) und Sport (Durchschnitt 45 km/h) eingeteilt. Gestartet wurde abwechselnd ein Auto der Touring- und der Sport-Klasse. Dadurch war ein Kolonnenfahren zumindest zu Beginn eingeschränkt, da auch etwas abweichende Strecken für die beiden Klassen vorgegeben waren. Schnell war meinem Co und mir klar, dass ein Schnitt von 45 km/h – wir hatten natürlich sportlich genannt – nur zu halten war, wenn wir die ideale und damit kürzeste Strecke zwischen den Zeitkontrollen fanden. Man sollte sich also tunlichst nicht verfahren.

 

Karten im Maßstab 1 : 50.000 stellten im Roadbook die Basis für die Streckenfindung dar. Hier waren auch die 7 Zeitkontrollen (ZK) und 45 Durchfahrtskontrollen (DK) sowie Richtungsangaben für die Streckenführung eingezeichnet. Fand man den kürzesten Weg für die vorgesehene Streckenführung, dann musste man auch automatische alle DKs in der richtigen Reihenfolge passieren. Eine vermeintlich einfache Aufgabe, die sich jedoch unter dem enormen Zeitdruck als nicht ganz so einfach entpuppte. Das Roadbook wurde erst 15 Minuten vor der Startzeit ausgehändigt. Eine Übertragung ins versteckte Navi- wie häufig bei den anfangs genannten Rallyes beobachtet – war hier also gar nicht möglich.

 

Wir fuhren sehr konzentriert und sehr zügig – andere nennen das auch rasen -  durch eine schöne Landschaft über nicht immer befestigte Wege, was aber alle Fahrzeuge gut überstanden. Leider erwischten wir nicht immer die korrekte Route und bekamen so mehr und mehr zu spüren, was „sportlich“ bedeutet. Mir als Fahrer hat es enormen Spaß gemacht. Auch Ralf hatte meist Spaß. Er kennt meinen Rallye-Fahrstil seit vielen Jahren und hat grenzenloses Vertrauen in die Zuverlässigkeit des TRs und natürlich auch in die Fahrkünste des Piloten. Durch unsere kleinen Patzer in der Navigation kam es zu einigen Überholvorgängen anderer – eigentlich hinter uns gestarteten – Teilnehmer, die dafür Verständnis zeigten und die Überholvorgänge auf den meist engen Wegen ermöglichten. Eine Fairness, die mir bisher auf den anderen Rallyes in dieser Form so nicht begegnet ist. Nochmals vielen Dank dafür.

 

In die 250 km lange Rallyestrecke (220 km Touring-Klasse) waren zwei Sonderprüfungen auf ADAC-Übungsplätzen eingebaut, die möglichst schnell durchfahren werden mussten. Keiner der Starter konnte die vorgegebene Referenzzeit erreichen, was sicher auch an der feuchten Strecke lag.

 

Die Mittagspause fiel für uns ziemlich kurz aus, da wir so viel Zeit durch unsere Navigationsfehler verloren hatten, dass auch die vom Veranstalter zugestandenen 30 Minuten Additionszeit nur zu einem schnellen Imbiss reichten. Wieder im Auto musste die Route der zweiten Etappe gefunden werden. Doch auch hier bauten wir schon wieder die nächsten Patzer ein, die zwar schnell erkannt wurden aber wieder zu zügiger Fahrt einluden. Das Vergnügen am sportlichen Fahren setzte sich also auch am Nachmittag fort. Zwischen Pilot und Co-Pilot wurden einige kontroverse Diskussionen geführt, was man eigentlich bei Rallyes vermeiden sollte. Denn hier gilt die Regel: Das Hirn sitzt rechts (beim Linkslenker). Ich erinnerte mich rechtzeitig an diese Regel. Und so fuhren wir die Rallye erfolgreich und als Freunde zu Ende. Ralf wird übrigens auch bei der nächsten Rallye wieder mein Co sein.

 

Wir belegten eine schlechte Platzierung, was aber Nebensache war. Wir hatten so viel Spaß an dieser tollen Veranstaltung, dass schon am Abend klar war, dass wir im nächsten Jahr wieder dabei sind.

 

Zukünftig werden wir ganz gezielt Rallyes auswählen, die nach diesem Muster von Dieter und Markus veranstaltet werden. Ein wenig fühlte ich mich zurück versetzt in die Gründerjahre der Triumph Competition. Wir hatten spannenden Motorsport für kleines Geld mit einem tollen Rahmenprogramm. Bei dieser Rallye haben wir nur nette Leute getroffen, von denen natürlich jeder Starter gut abschneiden wollte, aber keiner auf die Idee kam, dies mit illegalen Mitteln zu erreichen. Laptops und Elektronik zur Schaltung von Lichtschranken halfen hier nichts und waren deshalb in keinem Wettbewerbsfahrzeug zu finden.

 

Anfang der 90er Jahre gehörte Dieter Seidel mit ein paar anderen TR-Fahrern zu einer Gruppe, die mich überredeten, aus dem TR-Register heraus zusammen mit Vertretern des MG-Clubs Deutschland und der IG-Südwest eine Rennserie für britische Sportwagen zu gründen. Es hat bis heute funktioniert. Sollte so etwas nicht auch im Rallyesport möglich sein? Ich würde mir wünschen, dass aus diesen Clubs auch in anderen Regionen Deutschlands die Idee aufgegriffen wird, eine sportliche Rallye nach dem Vorbild der ersten British Classic zu organisieren. Dieter und Marcus können mit Sicherheit gute Tipps geben (www.british-classic.com).

 

 

Zusätzliche Informationen

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.